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In meinem Podcast “Eine Neue Welt” stelle ich mich Zukunftsfragen einer Welt post Covid-19. Hier die erste Folge meines Podcasts im Fließtext mit Quellenangaben.


Der Corona-Virus stellt die Welt auf den Kopf, während der Mensch sich in die eigenen vier Wände zurückzieht. Welche Bedeutung haben die derzeitigen Entwicklungen für das Informationszeitalter, wie sollen wir fortan kommunizieren, Medien rezipieren und mit Information umgehen.

Eine von vielen Fragen, die sich dieser Podcast vorgenommen hat.
Es ist die erste, die er ansprechen möchte.


Folge 1 – Information:

Angefangen hat es in Wuhan, werden sie später sagen. Der Coronavirus, oder – wie ihn Donald Trump unlängst bezeichnete – der “Chinesische Virus”. Von einem Tiermarkt in Hubei ausgehend, hat sich dieser Virus über die Welt verteilt, zuerst in Korea dann Italien, mittlerweile auch in Österreich, Europa und den Americas.

Ob es nun eine Fledermaus war, die ihn auf den Menschen übertrug, oder doch ein Schuppentier oder eine Schlange steht bislang nicht fest. In jedem Fall war das Chinesische Neujahrsfest, an dem traditionell 1,4 Milliarden Chinesen ihre Familien besuchen, wohl mitausschlaggebend dafür, dass sich dieser Virus so schnell hat verbreiten können. 2020 ist in China das Jahr der Metallratte, die in Anbetracht der Umstände zum stellvertretenden Symbolbild für diese globale Pandemie werden könnte.

Das Ausmaß dieser Krise bemisst sich allerdings nicht nur an den stetig steigenden Opferzahlen, sondern auch an ihrem Einfluss auf nationale Ökonomien. Der Corona Virus hinlänglich auch als Covid-19 bekannt, stellt damit nicht zuletzt den zeitgenössischen Populismus auf die Probe. Denn es geht um Leben und Tod, aber auch darum die Diskursführerschaft nicht aus der Hand zu geben. Richtig zu agieren, bedeutet dementsprechend auch richtig zu kommunizieren.

Während der amerikanische Präsident also die Schuld bei der Volksrepublik sucht, sucht sie die chinesische Führung zusehend bei den Amerikanern, gestützt von Mutmaßungen in den eigenen sozialen Medien, dass der Virus über die internationalen Militärspiele in Wuhan im Oktober 2019 erst nach China gebracht worden wäre.

Obwohl die nahe Zukunft ungewiss scheint, scheint eines Gewiss, die Welt von morgen handelt bereits jetzt aktiv ihre Geschichte aus. Das Terrain von Verschwörungstheorien zu betreten, gibt der Chinesischen Führung dabei zumindest eines: Luft zum Atmen. Immerhin war sie es, die im Zuge des Ausbruchs dieser neuartigen Erkrankung offenkundig zu spät reagiert und die Weltöffentlichkeit informiert hat.

Die Schuld auf andere zu schieben, hilft ihr, ihr eigenes Image zu polieren, wie auch gleichsam zu signalisieren, dass sie alles unter Kontrolle hat. Dabei hilft ihr nicht zuletzt die Kontrolle über die Information, die innerhalb der Volksrepublik und nach Außen kommuniziert wird. Während das China unter Xi Xinping, der in einer kürzlichen PR-Aktion sogar den Ground Zero in Wuhan besuchte, bei den G-20 den globalen Zusammenhalt propagiert und sogar humanitäre Hilfe für Europa leistet, indem es Masken und Beatmungsgeräte schickt, zensiert es die sozialen Medien im eigenen Land, frei nach dem Motto „Message Control ist Damage Control”.

Entsprechend sollte es kaum verwundern, dass sich auch die Zahlen an Neuinfektionen aus China verheißungsvoller lesen, als aus dem Rest der Welt, aus den gleichen Gründen sollten sie aber auch zu denken geben. Die Art und Weise der Berichterstattung zu Covid-19 unterscheidet sich wesentlich zwischen China und dem Rest der Welt.

Sagt aber nicht weniger über den Status Quo westlicher Demokratien und der Rezeption freier Medien diesseits des Globus aus. Als Europa die ersten Informationen zu einem neuartigen Virus in China erhielt, war man zwar rasch und harsch die Volksrepublik für ihr verspätetes Reagieren zu kritisieren, nahm Bilder von leeren Straßen und geschlossenen Geschäften dennoch zu wenig ernst, stammten sie doch aus einem Land das nachweislich und wiederholt zu drakonischen Maßnahmen im Umgang mit der eigenen Bevölkerung greift und dabei nicht immer vorrangig in deren besten Interesse handelt.

Darüber hinaus hat sich in weiten Teilen der industrialisierten Welt im Verlauf des letzten Jahrzehnts auch die Wahrnehmung, der durch Medien vermittelten Information verschoben, die nunmehr – man kann sagen – intersubjektiv zwischen Wahrheit, Sensationsjournalismus und Fake News unterscheidet. Dies hatte zur Folge, dass man auch hierzulande, in Österreich, wie nahezu überall, verzögert auf Fallzahlen und Informationen aus dem Ausland reagierte, und entsprechende Maßnahmen setze, beziehungsweise übernahm.

Selbst wenn es sich dabei um das jeweilige Nachbarland handelte. Covid-19 hat binnen zwei Monaten unter Beweis gestellt, dass alle Nationen dieser Welt gewissermaßen Nachbarn sind. Nicht zuletzt deshalb sind es auch Rechts-Populistische Regierungen, die am meisten unter dem Virus leiden. Aller Voraussicht nach werden auch sie es sein, die sich am schwersten davon erholen.

Dies hat vor allem zwei Gründe. Zum einen lässt sich eine Pandemie in einer freien Demokratie nicht totschweigen. Gerade in einer Phase, in der das öffentliche Leben zusehends eingeschränkt wird, und eingeschränkt werden muss, ist es unumgänglich auch das Vertrauen in öffentlich rechtliche Medien wiederherzustellen und mit präziser und wahrheitsgetreuer Kommunikation der Panik entgegenzuwirken. Populisten müssten dazu ihr Weltbild verneinen und sich vom Kontrastprogramm – soll heißen alternativen Medien und dem Boulevard Journalismus – verabschieden.

Sie verlieren somit nicht nur ihr Sprachrohr, sondern müssen sich zeitgleich gegenüber ihrem größten Feindbild dem Kritischen-Journalisten rechtfertigen und dabei auch eigene Fehler eingestehen. Wie schwer ihnen das auf Anhieb fällt, zeigte unlängst die Konfrontation Donald Trumps mit einem NBC Reporter, dem er auf die Frage, welche Schritte er setzen würde, schroff entgegnete:

“Because you see, I know the truth. And people out there in the world, they really don’t know the truth. They don’t know what it is […] It’s really – I mean, I think I came up with the term, I hope I came up with the term, but it is fake news. It’s more than fake news, it’s corrupt news. […] This administration has done a great job, but the press is very dishonest.”

“Wissen Sie kenne die Wahrheit. Und die Leute da draußen in der Welt, kennen die Wahrheit in Wirklichkeit nicht. Sie wissen nicht was es ist […] Das ist alles Fake News. […] Meine Regierung hat einen großartigen Job gemacht, aber die Presse ist unehrlich”

Es handelt sich hierbei um einen verkürzten O-Ton, übersetzt aus dem Englischen und nachzulesen im Guardian vom 19. März 2020 (s. Smith 2020).

Mittlerweile sind die USA, das Land mit den meisten registrierten Covid-19 Erkrankungen. Der zweite Grund, warum Rechts-Populistische Regierungen an sich selbst scheitern, lässt sich anhand Ihres Umgangs mit den nationalen Wirtschaftssystemen nachvollziehen. Ihr gespielt autarker Umgang mit einer globalen Krise, die eingangs gerne als Erfindung, Übertreibung und Gespenst aus dem Ausland abgetan wurde, verbietet bereits im Ansatz des Narratives ein seriöses und rigoroses Krisenmanagement, das vor allem bedeuten würde, das öffentliche Leben erheblich einzuschränken und damit nicht zuletzt die heimische Wirtschaft nachhaltig zu schädigen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ging kürzlich sogar soweit wissenschaftliche Ergebnisse und das eigene nationale Gesundheitsministerium öffentlich anzuzweifeln (vgl. Phillips & Brio 2020).

Wir erkennen im Zuge der letzten Wochen allerdings auch die Rückkehr sogenannter Staatsmänner, bzw. Staatsfrauen, die ungeachtet offensichtlich unpopulärerer Maßnahmen, das Wohl des Volkes, vor das der Wirtschaft und einzelner Interessensgruppen stellen, aber auch, wie im Falle Victor Orbans in Ungarn, beziehungsweise Benjamin Netanyahus in Israel, die Krise dazu nutzen, die widrigen Umstände dazu zu nutzen, die eigene Macht zu konsolidieren.

Mit diesen politischen Fragezeichen und ihren Folgen, werde ich mich in einer der kommenden Episoden dieses Podcasts gesondert auseinandersetzen. Nun aber wollen wir uns fragen, was uns die letzten Wochen über die weitere Entwicklung dieser – oftmals als Digitalen Revolution bezeichneten – Epoche sagen möchten.  Der Rückzug in die eigenen vier Wände, wurde den meisten Menschen, zumindest hierzulande in Österreich, nicht zuletzt dadurch erleichtert, da er auch einen Rückzug in die sozialen Medien bedeutete, den wir spätestens mit der Erfindung von Facebook ohnehin und auch ohne Quarantäne verstärkt und immer weitreichender praktizieren.

Doch dieser Tage geht uns der Content langsam aus und während die erste große Welle  gestreamter Kultur-Events zeitgleich das Internet flutet und mit ihnen zeitweilig die WG-Romantik Einzug hält, werden wir uns – nicht zuletzt durch TV Formate, die sich per Skype und Laptop Kameras ins zuhause von Promis verlegen – der eigene Qualitätsansprüche gewahr, mit oder ohne Quarantäne. Dem Live-Fernsehen und seinen laufenden Produktionen steht damit auf lange Sicht unweigerlich ein Umdenken bevor, während gut vorbereitete und ausgestattete Netizens stärker denn je versuchen werden als Vlogger die Lücke zu füllen.

Die besten Einschaltquoten unter allen Fernseh-Sendungen haben wenig verwunderlich derzeit europaweit die landesweiten Nachrichten, sowie Sondersendungen zum Thema der Stunde, auch sie stehen unter dem Zugzwang ihr Format zu ändern.  Wenig verwunderlich ist dadurch ein weiterer großer Gewinner der Krise, nämlich das Radio, so wiesen beispielsweise internen Erhebungen der BBC erst kürzlich einen Zuwachs von 18% Reichweite aus (vgl. BBC 2020).

Es ist dies ein weiteres Indiz dafür das sich Menschen in Krisenzeiten bevorzugt für Information denn Unterhaltung interessieren. Allerdings täuscht dies auch darüber hinweg, dass quasi nach dem Prinzip einer kognitiven Landkarte, das Hauptaugenmerk umso mehr auf das eigene Land gerichtet wird und sowohl geografisch als auch thematisch als peripher zu betrachtende Information zunehmend missachtet wird.

Im Zuge des Erstellens dieses Podcast wurde von Menschrechtsaktivsten, eben erst aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos berichtet, dass dort die Wasserversorgung eingestellt wurde und die Kretze ausgebrochen sei. Man stelle sich jenes Szenario hierzulande vor. Hierzulande wurden sowohl für das öffentlich rechtliche Radio sowie das Fernsehen Unterrichtskonzepte für die Ober- und Unterstufe ausgearbeitet, um den Ausfall der Schulen zu kompensieren. So bietet beispielsweise Ö1 laut eigenen Angaben „133 Themenpakete aus 27 Bereichen von Astronomie über Geschichte und Latein bis Wirtschaft [sowie] über 4.500 Sendeminuten“ als Audio mit ergänzendem E-Learning Material an.

Universitäten gehen einen ähnlichen Weg, allerdings mit weitreichenderem Erfahrungswert, Die Universität Yale bietet ihrerseits sogar einen kostenlosen Online-Kurs zur „Psychologie des Glücks“ an, wohl auch um Menschen in Quarantäne die Möglichkeit zu bieten ihr individuelles Krisenmanagement zu betreiben.  Denn für Viele bedeutet die ungewollte Auszeit aus dem Berufsalltag, auch die Beschäftigung mit sich selbst, zumindest sollte sie das. Wann, wenn nicht jetzt?

Die mitunter größten Erkenntnisse aus dieser Periode werden deshalb nicht zuletzt Journalisten liefern können. Während der klassische Printjournalismus das nächste und vielleicht endgültig letzte große Hindernis zu überwinden hat, ehe er – wie die Vinyl-Schallplatte – gegebenenfalls in 50 Jahren ein nostalgiebedingtes Comeback feiern kann, stehen Online-Journalisten vor der Sisyphus Aufgabe, aus ihren eigenen vier Wänden über die Welt Bericht zu erstatten und weiterhin kritische Fragen zu stellen, um dabei auch akkurat zu bleiben.

Darüber hinaus gilt es weiterhin auch zeitgenössische Nischenthemen zu bearbeiten. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Ungewissheit, sind es letztlich nicht nur existenzielle sondern auch soziale und kulturelle Fragen, die sich zwangsläufig aufdrängen und leicht übersehen werden, wenn sich der allgemeine Fokus auf ein einziges Thema zu konzentrieren scheint.

Wie die bisherigen Ausführungen gezeigt haben, geht es in dieser bestehenden globalen Krise nicht immer nur um Information sondern auch um die Art und Weise, was und wie zu Covid-19 berichtet. Das TV-Phänomen des unabhängigen Experten tritt dieser Tage ebenfalls wieder in Erscheinung, so sind es Virologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité, oder Dr. Anthony Fauci, der seit kurzem einem stetig entgleisendem Donald Trump zur Seite gestellt wurde, die der Öffentlichkeit Fach-Kompetenz vermitteln und somit das subjektive Sicherheitsgefühl stärken. Was im Falle des amerikanischen Präsidenten binnen weniger Tage Widererwarten für ein Umfragehoch sorgte.

Gerade jetzt muss ein jeder Mensch lernen, sorgsam und dennoch kritisch mit Information umzugehen und sie beizeiten aktiv dabei aber nicht emotionsgeleitet einfordern, weil sich hieraus letztlich auch Schlüsse über die Kommunikation innerhalb einer Welt nach Covid-19 ergeben werde.

Dieser Podcast möchte ebenfalls einen Teil zu diesem Diskurs beitragen, wenn auch Sie das möchten schreiben Sie ein Mail an podcast@pascalhonisch.com mit Ihren Fragen, Anregungen und Themenvorschlägen. Oder unterstützen Sie dieses Projekt finanziell via patreon.com/eineneuewelt 

Literatur- und Quellenangaben

Herman, Edward S.; Chomsy Noam (1988). „Manufacturing Consent – The Political Economy of the Mass Media“. New York: Pantheon.

Smith, David (2020, März 19). Trump reverts to media-bashing and blame-casting in latest press conference. Guardian. Link https://www.theguardian.com/us-news/2020/mar/19/trump-us-coronavirus-briefing-media

Phillips; Brio (2020, März 27). Bolsonaro’s anti-science response to coronavirus appals Brazil’s governors. Guardian. Link https://www.theguardian.com/world/2020/mar/27/jair-bolsonaro-coronavirus-brazil-governors-appalled

Hernandez, Javier (2020, März 14). As China Cracks Down on Coronavirus Coverage, Journalists Fight Back. New York Times. Link https://www.nytimes.com/2020/03/14/business/media/coronavirus-china-journalists.html

BBC (2020, März 25). Coronavirus: Radio listening booms while music streaming stalls. BBC. Link https://www.bbc.com/news/technology-52037461

derStandard (2020, März 26). TV-Quoten: Bestwerte für ORF-“Weltjournal” und “Fellner! Live” auf oe24.tv. derStandard. Link https://www.derstandard.at/story/2000116195924/tv-quoten-bestwerte-fuer-orf-weltjournal-und-fellner-live-auf

Schimmer, Josef (2020, März 14). Radio in Zeiten von Corona. Radio Ö1. Link https://oe1.orf.at/artikel/668594/Radio-in-Zeiten-von-Corona

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